"Training-on-the-Job": Chinesische Schweißer lernen bei TEUTLOFF

Braunschweig. In der Schweißerei der TEUTLOFF Technische Akademie an der Hamburger Straße herrscht eigentlich immer Trubel. Immerhin lernt dort der Nachwuchs von Schweißlehrer Günther Schmidt. Aber Besuch aus dem Reich der Mitte? Das ist dann doch etwas Besonderes.

Mehr als zwei Wochen lang sind die Gäste aus China vor Ort. Die fünf Chinesen stammen aus der Provinz Xinjiang aus dem Nordwesten des Landes und arbeiten dort beim großen chinesischen Stromkonzern TBEA. TEUTLOFF Technische Akademie kooperiert bereits seit längerem mit TBEA – auf mehreren Ebenen. Erst im Frühjahr wurde eine  Gruppe von Managern im Berufsbildungswerk in Goslar geschult.

In der Schweißerei geht es vor allem um die Praxis. Denn darin weisen die chinesischen Kollegen erhebliche Mängel auf, wie Günther Schmidt bei einem Besuch in China feststellen konnte. Der Braunschweiger verbrachte eine Woche in einer Werkstatt von TBEA, die Transformatoren produziert. "Die Ausführung der Schweißnähte, auch mit Robotern, ist gar nicht so schlecht. Aber wenn die Materialversorgung nicht passt, kann ich keine vernünftige Verbindung herstellen", sagt Schmidt. Eine sorgfältige Arbeitsvorbereitung sei ebenso wichtig wie das Schweißverfahren selbst. "Alles andere führt zu einer Verschlechterung des Ergebnis." Zudem werde in China oft asymmetrisch geschweißt, nicht symmetrisch. "Da stimmt die Festigkeit nicht." Ulrike Raasch, Geschäftsbereichsleiterin der TEUTLOFF-Akademie, möchte vor allem die Qualität der chinesischen Schweißer verbessern, auch wenn die Zeit knapp bemessen ist. "Wir bilden natürlich nach Verbandsvorgaben aus – in einer komprimierten Version." Für die Gäste sei der Besuch ein "Training-on-the-Job." Das im übrigen auch mit einer Prüfung endet: dem Internationalen Schweißer nämlich. Und auch die REFA-Zusatzqualifikation wird selbstverständlich abgenommen.

Die fünf Chinesen kehren also nicht mit leeren Händen nach China zurück. Der 49-jährige Baozhong Wang leitet bei TBEA eine Werkstatt mit 280 Schweißern und zeigt sich beeindruckt vom Standard der TEUTLOFF-Schweißerei und der systematischen Vorgehensweise von Fachmann Günther Schmidt. "Er achtet sehr aufs Detail", sagt Wang. Genau das möchte er auch in seiner chinesischen Heimat umsetzen. Denn auf die Sorgfältigkeit lege man in China eher weniger Wert. Während in Deutschland rund 70 Prozent der Zeit mit Vorbereitung verbracht werden, seien es in China nur 30 Prozent. "Die Umstellung der Denkweise wäre am Wichtigsten", sagt Wang. Die Erfahrungen aus Deutschland sollen als eine Art Pilotprojekt auch in weiteren Werkstätten des Konzerns und seiner zahlreichen Tochtergesellschaften umgesetzt werden.

Wie gut, dass die Gäste von Günther Schmidt alles lernen können, was man braucht um  ein sorgfältig geschweißtes, fehlerfreies Produkt herzustellen. "Das ist hier ein Rund-um-Kurs", sagt der Fachmann lächelnd.

Text und Fotos: Valea Schweiger