Ein MTM-Schein ist ein Zertifikat, das nachweist, dass eine Person die Methode des Methods-Time Measurement (MTM) beherrscht und in der Praxis anwenden kann. MTM ist ein standardisiertes Verfahren zur Zeitwirtschaft und Prozessanalyse, das in der Industrie eingesetzt wird, um Arbeitsabläufe zu planen und zu optimieren. Dieser Artikel beantwortet die wichtigsten Fragen rund um den MTM-Schein, seine Anforderungen und seinen Nutzen für Ihre Karriere in der Industrie.
Wofür wird ein MTM-Schein in der Industrie benötigt?
Ein MTM-Schein wird in der Industrie benötigt, um Arbeitsabläufe systematisch zu analysieren und Planzeiten für Produktionsprozesse zu ermitteln. Unternehmen setzen MTM-zertifizierte Fachkräfte ein, um Fertigungszeiten zu kalkulieren, Arbeitsstationen ergonomisch zu gestalten und Prozesse effizienter zu machen. Der Schein ist ein anerkannter Nachweis dieser Methodenkompetenz.
In der Fertigungs- und Montageplanung gehört MTM zu den meistgenutzten Verfahren der Zeitwirtschaft. Besonders in der Automobilindustrie, im Maschinenbau und in der Logistik verlangen Unternehmen von Planern, Industrial Engineers und Meistern fundierte Kenntnisse in dieser Methode. Wer Verantwortung für die Produktionsplanung oder Arbeitsvorbereitung übernehmen möchte, kommt an MTM kaum vorbei.
Konkret wird der MTM-Schein in folgenden Bereichen eingesetzt:
- Ermittlung von Vorgabezeiten für Montage- und Fertigungsprozesse
- Planung und Optimierung von Arbeitsplätzen und Taktzeiten
- Kalkulation von Fertigungskosten auf Basis realistischer Zeitwerte
- Ergonomische Gestaltung von Arbeitsabläufen
- Vergleich und Bewertung alternativer Produktionsmethoden
Für Facharbeiter, die in die Arbeitsvorbereitung, Produktionsplanung oder in eine Meisterposition wechseln wollen, ist der MTM-Schein ein konkreter Qualifikationsnachweis, der auf dem Arbeitsmarkt direkt verwertbar ist.
Wie funktioniert die MTM-Methode in der Praxis?
Die MTM-Methode funktioniert, indem sie menschliche Arbeitsbewegungen in kleinste Grundbewegungen zerlegt und diesen Bewegungen vorher festgelegte Zeitwerte zuordnet. Aus der Summe dieser Zeitwerte ergibt sich eine objektiv ermittelte Planzeit für einen Arbeitsvorgang, ohne dass dieser vorab gestoppt werden muss.
Das Grundprinzip: Jede Arbeitsbewegung, die ein Mensch ausführt, lässt sich in Kategorien wie Greifen, Bewegen, Drehen oder Loslassen einteilen. Für jede dieser Bewegungen existieren in der MTM-Systematik normierte Zeitwerte, die in der Einheit TMU (Time Measurement Unit) angegeben werden. Eine TMU entspricht 0,036 Sekunden. Durch die Addition der einzelnen Zeitwerte entsteht ein Gesamtbild des Arbeitsvorgangs.
In der industriellen Praxis wird MTM vor allem in zwei Varianten angewendet:
- MTM-1: Die detaillierteste Variante, bei der jede Einzelbewegung erfasst wird. Sie eignet sich für sehr kurze, häufig wiederholte Tätigkeiten.
- MTM-2 und MTM-UAS: Vereinfachte Systeme, die Bewegungen zu Gruppen zusammenfassen und sich für komplexere oder weniger repetitive Tätigkeiten eignen.
Ein Arbeitsplaner, der MTM beherrscht, kann damit bereits in der Planungsphase realistische Zeitvorgaben erstellen, Engpässe identifizieren und Prozessalternativen vergleichen. Das spart Zeit und Kosten, bevor eine Linie überhaupt in Betrieb geht.
Welche Voraussetzungen braucht man für die MTM-Ausbildung?
Für die MTM-Ausbildung gibt es keine einheitlich gesetzlich geregelten Zulassungsvoraussetzungen. In der Regel setzen Anbieter eine abgeschlossene technische Berufsausbildung oder einschlägige Berufserfahrung in der Industrie voraus. Praktische Kenntnisse aus der Fertigung, Montage oder Arbeitsvorbereitung sind hilfreich, aber nicht immer zwingend erforderlich.
Die MTM-Ausbildung richtet sich typischerweise an:
- Facharbeiter mit Erfahrung in der Produktion oder Montage
- Mitarbeiter in der Arbeitsvorbereitung und Fertigungsplanung
- Angehende oder bereits tätige Industriemeister
- Techniker und Industrial Engineers
Da MTM-Zertifizierungen über autorisierte Bildungsträger sowie der Deutschen MTM-Vereinigung (DMTM) angeboten werden, empfiehlt es sich, die jeweiligen Zulassungsbedingungen direkt beim Anbieter zu erfragen. Die Ausbildung selbst ist in der Regel modular aufgebaut und kann berufsbegleitend absolviert werden.
Wie läuft eine MTM-Zertifizierung ab?
Eine MTM-Zertifizierung läuft in mehreren Stufen ab: Zunächst nehmen Teilnehmende bei TEUTLOFF am Unterricht teil, in dem die Grundlagen der MTM-Methode vermittelt werden. Anschließend folgt eine praktische Übungsphase, bevor eine Online-Prüfung den Abschluss bildet. Bei Bestehen wird das entsprechende Zertifikat ausgestellt.
Die Zertifizierungsstufen unterscheiden sich je nach Anbieter und Methodenvariante. Typisch ist folgende Struktur:
- Grundlagenlehrgang: Einführung in das MTM-System, Bewegungskategorien und Zeitwerte
- Anwendungsübungen: Analyse realer oder simulierter Arbeitsvorgänge mit MTM-Methoden
- Prüfung: Nachweis der korrekten Anwendung durch schriftliche Aufgaben oder Fallstudien
- Zertifikatserteilung: Ausstellung des MTM-Scheins durch die MTM Association
Die Dauer eines Grundkurses kann je nach Anbieter unterschiedlich ausfallen. Fortgeschrittene Kurse für spezifische MTM-Systeme wie MTM-UAS dauern gemeinsam mit dem MTM-Kurs bei TEUTLOFF 75 Unterrichtseinheiten. Viele Unternehmen schicken ihre Mitarbeiter intern auf solche Lehrgänge, aber auch autorisierte externe Weiterbildungsanbieter führen MTM-Schulungen durch.
Was verdient man mit einem MTM-Zertifikat mehr?
Ein MTM-Zertifikat allein führt nicht automatisch zu einem höheren Gehalt, erhöht aber die Chancen auf Positionen, die besser vergütet werden als reine Produktionstätigkeiten. Stellen in der Arbeitsvorbereitung, Fertigungsplanung oder als Industrial Engineer sind in der Regel deutlich besser bezahlt als Schichtarbeit am Band.
Der konkrete Gehaltsunterschied hängt von mehreren Faktoren ab: der Branche, der Unternehmensgröße, der Region und dem Gesamtqualifikationsprofil. MTM-Kenntnisse sind jedoch ein Merkmal, das Bewerber in technischen Planungspositionen von Mitbewerbern ohne diese Qualifikation unterscheidet. Wer zusätzlich einen Abschluss als Industriemeister oder Techniker vorweisen kann, verbessert seine Verhandlungsposition beim Gehalt erheblich.
Praktisch gesehen öffnet der MTM-Schein Türen zu Positionen wie:
- Arbeitsplaner oder Arbeitsvorbereiter in der Fertigung
- Industrial Engineer in Automobilzulieferbetrieben
- Prozessplaner in der Montage
- Lean-Spezialist oder Produktionsoptimierer
Diese Rollen bieten nicht nur ein höheres Grundgehalt, sondern auch mehr Gestaltungsspielraum, geregeltere Arbeitszeiten und weniger körperliche Belastung als Schichtarbeit in der direkten Produktion.
Kann man den MTM-Schein mit anderen Weiterbildungen kombinieren?
Ja, der MTM-Schein lässt sich gut mit anderen industriellen Weiterbildungen kombinieren. Besonders sinnvoll ist die Kombination mit Fortbildungen zur Prozessoptimierung, zum Lean Management oder mit anerkannten Aufstiegsfortbildungen wie dem Industriemeister. Beim Staatlich geprüften Techniker hingegen, ist der MTM-Schein ein zwingender Bestandteil der Ausbildung. Diese Kombinationen stärken das berufliche Profil gezielt für Planungs- und Führungsaufgaben.
Wer in der Industrie aufsteigen möchte, profitiert davon, methodische Werkzeuge wie MTM mit einem formalen Abschluss zu verbinden. Ein Industriemeister Metall oder Elektrotechnik, der zusätzlich MTM-zertifiziert ist, bringt sowohl Führungskompetenz als auch konkrete Planungsmethodik mit. Das macht ihn für Unternehmen besonders attraktiv.
Mögliche Kombinationen im Überblick:
- MTM und Industriemeister IHK: Kombination aus Führungsqualifikation und Zeitwirtschaftsmethodik, ideal für Produktionsverantwortliche
- MTM und Staatlich geprüfter Techniker: Technisches Tiefenwissen ergänzt durch standardisierte Planungsmethoden, sind für Industrial Engineering fester Bestandteil
- MTM und Lean-Management-Zertifizierung: Ganzheitlicher Ansatz zur Prozessoptimierung in der Fertigung
- MTM und Industrial Engineering Weiterbildung: Direkte Vorbereitung auf Planerstellen in der Automobilindustrie
Wichtig zu wissen: Für IHK-Aufstiegsfortbildungen wie den Industriemeister und den Technischen Fachwirt oder auch für Aufstiegsfortbildungen wie den Staatlich geprüften Techniker kann das Aufstiegs-BAföG genutzt werden, das vom Bundesministerium für Bildung und Forschung gefördert wird. Diese staatliche Förderung übernimmt je nach persönlicher Situation einen erheblichen Teil der Lehrgangs- und Prüfungsgebühren. Der MTM-Schein selbst ist eine privatwirtschaftliche Zertifizierung und fällt in der Regel nicht unter diese Förderung.
MTM-Schein und Aufstiegsfortbildung bei TEUTLOFF
Wer den MTM-Schein als Teil eines gezielten Karrierewegs in der Industrie sehen möchte, findet bei uns das passende Umfeld für den nächsten Schritt. Wir unterstützen Facharbeiter dabei, methodische Qualifikationen mit anerkannten Abschlüssen zu verbinden, die auf dem Arbeitsmarkt dauerhaft wirken.
Als TEUTLOFF Technische Akademie bieten wir Aufstiegsfortbildungen, die direkt auf Planungs- und Führungsaufgaben in der Industrie vorbereiten:
- IHK-Aufstiegsfortbildungen zum Industriemeister Metall und Elektrotechnik mit Inhalten aus Prozessplanung und Betriebsorganisation
- Staatlich anerkannte Technikerausbildungen mit Fachrichtungen wie Industrial Engineering und Automotive Engineering
- Flexible Zeitmodelle in Vollzeit, Teilzeit und schichtbegleitend, damit Beruf und Fortbildung vereinbar bleiben
- Persönliche Begleitung durch erfahrene Lehrkräfte aus der Industrie, von der Beratung bis zur Prüfungsvorbereitung
- Unterstützung bei der Antragstellung für das Aufstiegs-BAföG, das vom Staat für IHK-Aufstiegsfortbildungen bereitgestellt wird
- Moderne Lernumgebungen an mehreren Standorten in der Region Braunschweig, Wolfsburg, Salzgitter und Hannover sowie in Köln und Saarlouis
Wenn Sie wissen möchten, welche Fortbildung zu Ihrem Profil und Ihren Zielen passt, stehen wir Ihnen gerne für ein Beratungsgespräch zur Verfügung.
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